”Peters gute Backstube“ ohne Peter

1. März 2017 – Badisches Tagblatt

Geschäftsführer Bernhard Peter zieht sich zurück / Bruno Ketterer übernimmt Anteile

 

Von Holger Siebnich

 

Bühl -Es ist eine Zäsur, aber Bernhard Peter ist dennoch im Reinen mit sich und der Entscheidung: Der Inhaber und Geschäftsführer von „Peters gute Backstube“ scheidet heute aus dem Unternehmen aus und übergibt seine Anteile an Bruno Ketterer, dem bislang 50 Prozent der GmbH gehörten. Damit endet eine Familientradition, die vor 186 Jahren mit einer Bäckerei in der Bühler Hauptstraße begonnen hatte.

 

Peter übernahm das Geschäft 1980 in fünfter Generation. Schon damals war ihm klar, dass er einen Expansionskurs einschlagen muss, um wirtschaftlich größere Brötchen zu backen. „Ich wollte einiges anders machen als mein Vater – ohne mit ihm deshalb im Clinch zu liegen“, erzählt Peter. Er eröffnete eine Filiale in Bühlertal, später kamen Geschäfte in Sinzheim und Baden-Baden hinzu.

 

Der große Umbruch begann allerdings erst 1990, als Bruno Ketterer zu dem Unternehmen stieß. „Mit ihm hatte ich den idealen Partner gefunden“, spricht Peter ihm ein großes Lob aus. Es folgte im selben Jahr der Bau einer ersten zentralen Produktionshalle im Industriegebiet in Vimbuch, der Startschuss für eine rasante Wachstumsphase. 1998 gründeten Peter und Ketterer als gleichberechtigte Gesellschafter und Geschäftsführer die „Peter’s gute Backstube GmbH & Co. KG“. Inzwischen betreibt das Unternehmen 51 Filialen in der Region zwischen Offenburg und Karlsruhe. Die Produktionsstätte in Vimbuch wurde zweimal erweitert.

 

Als Peter das Geschäft von seinem Vater übernahm, zählte es 18 Mitarbeiter. Inzwischen sind es über 600. Dabei gefällt dem scheidenden Chef das Wort „Mitarbeiter“ gar nicht, „das ist fast zu sachlich“, meint er. Er spricht lieber von Menschen. Der tägliche Umgang mit ihnen sei im Berufsleben seine größte Freude gewesen.

 

Den Abschied von der Belegschaft und vom Unternehmen bezeichnet Peter als „große persönliche Veränderung“, die aber gut sei. Für seinen Rückzug gebe es mehrere Gründe. In wenigen Tagen feiert er seinen 67. Geburtstag. Da sei es an der Zeit, die Verantwortung für Zukunftsentscheidungen in jüngere Hände zu geben. „Ich erfreue mich außerdem bester Gesundheit, das Leben bietet mir noch viele Möglichkeiten“, freut sich Peter auf mehr Zeit für Familie und seine Hobbys wie Musik, Schach und Sport. „Ich bin der Mensch, der den Bühler Jägerweg am öftesten gegangen ist“, sagt er über sich selbst mit einem Lachen.

 

Dass das Unternehmen bei Ketterer in guten Händen ist, daran hegt er keinen Zweifel: „Er ist der beste Mann, der das Geschäft weiterführen kann“, sagt er über den 56-Jährigen. Dieser sieht den künftigen Weg des Unternehmens weiterhin „als Produzent hochwertiger Lebensmittel in Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten“. Der gelernte Bäckermeister, der in den 90er Jahren ein Studium der Betriebswirtschaft draufsattelte, kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er dabei über Details wie das richtige Salz oder Bioland-Getreide spricht. Den Expansionskurs weiter so massiv voranzutreiben wie in den vergangenen 26 Jahren, schließt er dagegen aus. Der Aktionsradius des Unternehmens sei abgesteckt, Verschiebungen seien nur innerhalb dieses Rahmens zu erwarten.

 

Auch wenn die Ära Peter in dem Unternehmen ende – der Name „Peters gute Backstube“ stehe aber nicht zur Disposition und der Betrieb bleibe ein familiengeführtes Unternehmen. Diesem gehören auch Ketterers Ehefrau und sein Sohn an. Dass Peters Kinder sich beruflich anders orientiert haben und nicht in seine Fußstapfen treten, grämt den 66-Jährigen nicht, im Gegenteil: „Ich gewinne ein Stück Freiheit, die sogar noch größer ist, weil keines meiner Kinder meine Nachfolge übernimmt“, freut er sich auf die Zukunft.